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Digitale Kluft ist auch eine menschliche

Kolumne aus dem Alltag von Mareike Graepel.
9. Dezember 2019, Mareike Graepel

„Mama, ich will das da von Playmobil zum Nikolaus, den R2D2 von Lego zu Weihnachten und dieses Spiel sofort, jetzt!“ orderte ein etwa 10-jähriger Junge in einem Spielzeugwarenladen in Datteln kürzlich die Geschenke bei seiner Mutter. Ui, dachte ich, als ich das hörte, wie unverfroren. Das erschreckende – und sich damit allerdings auch gleich selbst erklärende – daran: Die Mutter gehorchte.

Leben verlagert sich ins Internet

Immerhin erstand sie die Sachen in einem echten Geschäft in einer kleinen Stadt und nicht bei einem Onlinehändler. Aber da sich unser aller Leben immer mehr ins Internet verlagert, das der jungen Menschen noch viel mehr als Ihres und meines – etwa ein Drittel der Internetnutzer ist unter 18 -, entsteht auch dort eine große Diskrepanz in Sachen Chancengleichheit. Kinder aus sozial schwächeren Familien haben oft nicht den Zugang zum „worldwide web“, und geraten in eine kürzlich in den Medien erwähnte „digitale Kluft“.

Ein Internet-Führerschein?

Bei den fast 350 Millionen Heranwachsenden in den Entwicklungs- und Schwellenländern lagen garantiert kein neues iPhone oder ein Tablet auf dem Gabentisch. Und sicher auch nicht bei vielen Kindern in Deutschland. Aber wie erstrebenswert ist es, den Kindern auf der ganzen Welt Zugang zu der riesigen Autobahn, die das Internet ist, zu gewähren? Einer virtuellen Autobahn, auf der jeder ungeachtet seiner Fahrkünste einen Rennwagen zu fahren scheint und weder Geschwindigkeitsbegrenzungen noch Warnschilder zu beachten scheint? Wir lassen Zehnjährige doch auch nicht „in echt“ Auto fahren. Sollte nicht die Nutzung des Internets und die gesellschaftliche Online-Etikette einen Führerschein voraussetzen? Müsste das nicht Pflichtfach in der Schule sein? Es entstehen schließlich auch für Millionen von Lehrern und Eltern Fragen und Entscheidungen, die die Großelterngeneration einfach noch gar nicht hatte.

Innehalten zum Fest

Ich habe an Heiligabend jedenfalls inne gehalten und noch einmal sehr genossen, wie unschuldig unsere Töchter viele ihrer Geschenke-Wünsche erfüllt sahen – Bücher, Kostüme, Hörspiele, Puzzle, Kuscheltiere. Und auch die berühmten nicht-gewünschten und doch bekommenen „Weichgeschenke“ auspackten – Socken, Schlafanzüge, Pullover… Mit der weiterführenden Schule im nächsten Jahr wird das vielleicht anders. Vielleicht.