Foto: Adobe Stock / svetabezu
Foto: Adobe Stock / svetabezu
 

Vorsicht bei Smartphones

Wie sich Bildschirme auf Kinderaugen auswirken
12. November 2021, Jana Lotter

Vom ständigen Blick aufs Smartphone oder Tablet bekommen Kinder zwar keine „viereckigen Augen“, wie so manche Eltern früher prophezeit haben, doch die kleinen Bildschirme sind trotzdem nicht gut für die Augen. Welche Folgen sie haben können und wie man die Augen entlastet, verrät der BKK-Landesverband NORDWEST.

Spielen am Smartphone, schnell die Schulaufgaben am Laptop abtippen, soziale Medien durchscrollen, die Lieblingsserie online schauen oder mit Freunden am Handy chatten – Kinder und Jugendliche sind zunehmend von Bildschirmen umgeben. Besonders durch die vergangenen Corona-Lockdowns sollen sie mehr Zeit mit digitalen Spielen und an Bildschirmen verbracht haben, wie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) mitteilte. Und das kann ernsthafte Folgen haben.

Mehr Kinder kurzsichtig

Nach der Pandemie rechnete der BVKJ sowohl mit mehr psychischen Problemen bei Jugendlichen als auch mit mehr Sehschwächen, so Dr. Thomas Fischbach, Präsident des BVKJ. Der Verband beruft sich dabei auf eine chinesische Studie, die Anfang 2021 veröffentlicht wurde. Die Studie zeigt: Mehr Grundschülerinnen und -schüler entwickelten im Beobachtungszeitraum eine Sehschwäche, und zwar Kurzsichtigkeit. Obwohl der Zusammenhang zwischen Bildschirmen und den vermehrten Sehschwächen bisher nicht hergestellt werden konnte, sind auch in Deutschland weitere Gesundheitsexpertinnen und -experten besorgt.

Genetik vs. Bildschirm

Die Ursachen von Sehschwächen sind unterschiedlich: Manche, wie zum Beispiel Kurzsichtigkeit, sind häufig erblich veranlagt. Wenn ein oder gleich beide Elternteile kurzsichtig sind, ist das Kind häufig ebenfalls von der Sehschwäche betroffen.

Doch die Sehschwäche kann auch durch veränderte Sehgewohnheiten entstehen. Davon sind nicht nur Kinder betroffen, auch Erwachsene können so eine Sehschwäche entwickeln. Negativ für das Auge sind vor allem wenig Licht, zum Beispiel durch das vermehrte Aufhalten in Innenräumen, und sehr lange Naharbeit wie Lesen oder die Nutzung von Smartphones auf geringer Distanz (weniger als 30 Zentimeter vom Gesicht entfernt).

„In den ersten zwölf Lebensjahren ist das Kinderauge besonders anfällig für Fehlentwicklungen. Gewöhnt es sich in dieser Zeit zu sehr an Bildschirme und die Nähe, in der etwas wahrgenommen wird, bleibt das häufig lebenslang“, sagt auch Karin Hendrysiak vom BKK-Landesverband NORDWEST.

Das Auge trainieren

Damit Kinderaugen sich nicht zu sehr an den Bildschirmblick gewöhnen, sollten Kinder höchstens eine Stunde täglich Smartphones und Co. nutzen. Wenn Schularbeiten mehr Zeit am PC erfordern, sollte wenigstens in der Freizeit auf Bildschirme verzichtet werden. Kleinkinder sollten in den ersten Jahren möglichst gar keine Geräte wie Smartphones oder Tablets nutzen.

Für die Augen sind regelmäßige Blicke in die Ferne willkommene Pausen bei längeren Arbeiten am Bildschirm. Das trainiert die Wahrnehmung von Distanzen. Täglich eine bis zwei Stunden im Freien bei Tageslicht sind für Augen ebenfalls förderlich – und insgesamt wichtig für die Gesundheit und Entwicklung der Kleinsten.