Foto: Pexels / Andrea Piacquadio
Foto: Pexels / Andrea Piacquadio
 

Großeltern zum Ausleihen

Kochen und spielen mit der Leihoma und dem Leihopa
7. Juli 2021, Nicole Vergin

Was tun, wenn Oma und Opa weit weg wohnen oder sich aus anderen Gründen nicht regelmäßig kümmern können? Der Kinderschutzbund vermittelt in einigen Städten ehrenamtliche Großeltern, die Familien im Alltag unterstützen können. Ein Beispiel aus Bochum.

„Ich war sofort Feuer und Flamme, als wir den Bericht gelesen haben“, erinnert sich Petra Hauschild aus Wattenscheid. Die heute 62-Jährige erfuhr durch einen Artikel in der Zeitung vom Großelterndienst des Kinderschutzbundes Bochum. Die Möglichkeit, einer jungen Familie zur Seite zu stehen, begeisterte sie und ihren Mann Manfred (67). Das erste Treffen fand Anfang 2018 nach Vermittlung des Kinderschutzbundes statt. „Die Familie von Hagen war mir von Anfang an sympathisch“, erinnert sich Manfred Hauschild. Zu den von Hagens gehören die Eltern und die vier „Paten-Enkelkinder“ von Petra und Manfred Hauschild – drei Jungen und ein Mädchen im Alter von zwei bis 14 Jahren.

Familie von Hagen und Leih-Großmutter Petra Hauschild. Foto: Kinderschutzbund Bochum
Familie von Hagen und Leihgroßmutter Petra Hauschild. Foto: privat

Leihgroßeltern als Bereicherung

„Für uns sind die Hauschilds wie ein Familienzuwachs“, sagt die Mutter Rabea von Hagen. Ihr ist vor allem wichtig, dass ihre Kinder engen Kontakt zu älteren Menschen haben. Da nur eine leibliche Oma in der Nähe wohnt, die damals noch berufstätig war, wandte sich Rabea von Hagen 2017 an den Großelterndienst. „Jede Generation hat ja ihre eigenen Ideen und Erfahrungen – und das finde ich wertvoll“, erklärt die 40-Jährige. „Unsere Leihoma und der Leihopa sind für uns auf jeden Fall eine Bereicherung.“

Coole Sachen machen

Für Phileas (10) ist es ganz normal, dass Petra und Manfred Hauschild praktisch mit zur Familie gehören. „Man kann coole Sachen mit denen machen“, erzählt er. „Wir gehen zum Beispiel in den Zoo, gehen auf Fahrradtour oder picknicken.“ Vor der Coronapandemie war der Kontakt sehr intensiv. Es gab ein bis zwei feste Tage pro Woche, an denen Petra Hauschild in die Familie kam; das soll jetzt langsam wieder anlaufen. „Ich hole die Kinder dann zum Beispiel von der Schule oder der Kita ab oder springe ein, wenn die Tagesmutter mal krank ist“, erzählt Leihoma Petra Hauschild. „Am Wochenende unternehmen wir auch manchmal alle gemeinsam etwas zusammen“, ergänzt ihr Mann Manfred. „Wir gehen etwa ins Kino, Minigolf spielen oder besuchen uns einfach gegenseitig.“

Petra und Manfred Hauschild haben das gute Gefühl, ihre Zeit sinnvoll zu verbringen. „Und die Kinder freuen sich immer, wenn ich da bin. Das gibt mir auch etwas zurück“, sagt Petra Hauschild. Auch wenn ihr Sohn mittlerweile sie mittlerweile zu „richtigen“ Großeltern gemacht hat, soll sich das gute Verhältnis zu ihren Paten-Enkelkindern und deren Eltern nicht ändern.

Weitere Informationen

Der Kinderschutzbund bringt in einigen Städten ehrenamtliche Großeltern und Familien zusammen. Die Fachkräfte beraten und begleiten die Ehrenamtlichen.